Heilpraktikerin Kerstin Meyer
 
Forum Nervenstress

Das Burn-Out-Syndrom

 


Das Wort Burn-Out kommt eigentlich aus der Reaktortechnik. Burn-Out bedeutet, dass Wärmetauscher oder Brennstoffhülsen durchbrennen. Wer bei Menschen von Burn-Out spricht, verwendet also ein starkes Bild: Durch Überhitzung droht eine Katastrophe.

Das seelische Gleichgewicht ist eine Frage der Balance

Wenn wir von Burn-Out sprechen, meinen wir die geistige und körperliche und auch die seelische Erschöpfung.

Sie entsteht meist durch berufliche Überarbeitung, familiäre Probleme, Existenzangst, elektromagnetische Felder und Umweltverschmutzung und Frustration. Sie zeigt sich durch sehr viele Symptome. Deutliche erste Anzeichen eines Ausgebranntseins sind Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit gepaart mit Zynismus.

Ein hohes Maß an Idealismus und Engagement in Berufen, die auch viel mit Menschen zu tun haben  und Dauerstress verursachen, können krank machen. Das Ausbleiben von Lob und Anerkennung, Dank und Bestätigung und vielleicht auch noch verstärkter Druck, Angst, Schikane, keine Urlaubstage… verursachen bei den Betroffenen emotionale Kälte und Distanz anstelle von Mitgefühl.

Gedächtnisstörungen, Herzrhytmusstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen können die Folge sein. Damit einhergehend Alkohol und Medikamentenmissbrauch.  Doping am Arbeitsplatz!

Die Freude am Leben geht verloren, Ausgebrannte lieben keine Veränderungen und sind nicht im Fluss des Lebens. Die Folge von Kälte und Distanz sind Rückzug aus der Familie und dem allgemeinen sozialen Umfeld.

Eine weitere Ursache des Burn-Out-Syndroms können auch Perfektionismus und das grosse Bedürfnis nach Anerkennung sein, zu viel Ehrgeiz oder auch das Nichterreichen eines Lebensziels.

Ist der Prozess des Burn-Outs schon so weit fortgeschritten, dass Depressionen, Depersonalisierung, Entfremdungsgefühl und reduzierte bis abhanden gekommene Leistungsfähigkeit die Folgen sind, muss unbedingt fachmännische, therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden, damit die Lebensenergie wieder gesund und frei fliessen kann.

Natürlich ist eine Veränderung der Rahmenbedingungen sehr wichtig, damit Heilung geschehen kann. Im Beruf ist ein wertschätzender Führungsstil und in der Partnerschaft und Familie und im Freundeskreis Harmonie und Verbundenheit sehr wichtig und notwendig!

Sagen, was ehrt!


In der Stress-Spirale


Stress – Anpassung dient dem Überleben

Durch die Ausschüttung der Stress-Hormone und Botenstoffe war der Urzeitmensch in der Lage vor dem Säbelzahntiger zu flüchten und das Mammut zu jagen.

Stress-Hormone dienen dem Selbsterhalt: Erhöhter Herzschlag, Anpassung der Atmung, Anspannung und Durchblutung der Muskulatur.

Der heutige Säbelzahntiger stellt sich durch Termindruck, Leistungsdruck, Jobangst und Selbstüberforderung dar. Wir können dem Stress in der heutigen Form nicht entkommen, eine Flucht oder ein Angriff ist nicht möglich, eine Befreiung mit spontaner Druckentlastung bleibt aus. Der moderne Mensch bewegt sich im Hamsterrad – ein Phänomen, das krank macht.

Stress ist eigentlich eine gesunde,  physische und physiologische Gegenreaktion auf Reiz und wird über das vegetative und endokrine System des Körpers gesteuert.


Das limbische System

Emotionen haben ihren Ursprung in einem relativ alten Gehirnteil, dem limbischen System. `Teile des limbischen Systems sind der Hippocampus, Mandelkern (Amygdala) und das stammesgeschichtlich alte Riechhirn mit der Riechbahn (siehe auch Aromatherapie).

Alle Anteile des limbischen Systems haben eine enge Verbindung zum Hypothalamus, Teil des Zwischenhirns und Schaltzentrale des Hormonsystems. Das limbische System steuert die Verhaltensweisen, die unmittelbar dem Überleben des Einzelnen dienen: Hunger, Durst, heterosexuelle Anziehung. Die übergeordnete Stelle zur Hormonabgabe, der Hypothalamus zusammen mit der Hypophyse, nennt man das hypothalamische-hypophysäre System. Die Hypophyse setzt sogenannte Releasing-Hormone frei, so entstehen Regelkreise.

[Grafik aus "Taschenatlas der Physiologie", Stefan Silbernagl und Agamemnon Despopoulos, Thieme-Verlag]

Über die hormonale Schaltzentrale wird das Nervensystem gesteuert, so dass es zu ausführenden Handlungen kommen kann. Teile des vegetativen Nervensystems sind der Sympathicus (Aktion) und der Parasympathicus (Ruhe). Die meisten inneren Organe werden gleichzeitig von beiden Anteilen versorgt. Auch das Nervensystem des Magen-Darm-Trakts ist Teil des vegetativen Nervensystems.


Die ultraschnelle Stressantwort

Die ultraschnelle Stressantwort beginnt innerhalb weniger Sekunden durch die Katecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Dopamin ist ein anregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem, er wird gebildet im Nebennierenmark. Dopamin dient der Koordination von Motorik, Konzentration, dem Antrieb, der Motivation und der kognitiven Leistungsbereitschaft. Bei Mangel entstehen Antriebsstörungen, Bewegungsstörungen, Motiviationsverlust, kognitive Einbußen und Depressionen.

Noradrenalin lässt den Blutdruck steigen und hemmt die zelluläre Immunaktivität, steigert die Leistungsbereitschaft, Konzentrationsfähigkeit, Motivation und Motorik.

Adrenalin wird aus dem Nebennierenmark gebildet, aus Noradrenalin. Es erhöht die Pulsfrequenz, das Herzminutenvolumen, den Blutdruck, die mentale Aktivität und hemmt die zelluläre Immunaktivität.

Das wichtigste Stresshormon ist Cortisol.

Cortisol wird in der Nebennierenrinde gebildet, größtenteils aus mit in der Nahrung aufgenommenen Cholesterin. Cortisol dient dem Organismus zur Anpassung an akute und wiederkehrende Belastungssituationen. Die Ausschüttung von Cortisol ist die verzögerte Stress-Antwort, die nach einigen Minuten erfolgt.

Cortisol dient der Stoffwechselaktivierung und der Energiebereitstellung:

  • Erhöhtes Glucoseangebot

  • Aktivierung der Fettverbrennung

  • Temperatursteigerung

  • Emotionale Aktivierung

  • Schmerzhemmung

Cortisol hemmt die Immunabwehr (Infekthäufigkeit, Tumorprogression) und Abnahme von Haut- und Darmdurchblutung.

Der Gegenspieler des Cortisols ist das DHEA (Dihydroepiandrosteron). Es wird in der Nebennierenrinde gebildet. Unter chronischer Stresseinwirkung steigt DHEA, es fördert den Muskelaufbau, die Lipidsenkung, die Verbesserung der Immunität und der Motivation. Der maximale Spiegel ist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr erreicht und nimmt im hohen Alter stark ab.


Serotoninfunktion im Nervensystem

Serotonin ist interaktiv mit Dopamin und Noradrenalin. Serotonin wird zu 95% in der Darmschleimhaut gebildet, aber auch im zentralen Nervensystem sowie Leber und Milz. Serotonin ist stimmungsaufhellend, entspannend, schlafregulierend, angstlösend, antidepressiv und dient dem Lernen und dem Gedächtnis. Serotonin wirkt appetitregulierend und gibt uns ein Sättigungsgefühl. Hohe Serotonin-Spiegel haben eine Appetitreduktion zur Folge, Serotonin-Mangel bewirkt Heisshunger und Essstörungen.


Stress und mögliche Folgen

Anstieg von Cortisol

Anstieg der Katecholamine Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin

Anstieg von Zytokinen

Verminderung von Serotonin

Bei anhaltenden Stressbelastungen bleiben hohe Serumkonzentrationen der Botenstoffe lange Zeit bestehen bis die Produktion von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin erschöpft ist. Es kommt zur völligen adrenalen Erschöpfung und Immuninsuffizienz bei gleichzeitiger psychischer und physischer Erschöpfung. An diesem Punkt spricht man vom Burn-Out-Syndrom.


Stressdiagnostik

Cortisol kann im Speichel nachgewiesen werden, Serotonin mit dem sogenannten Bloodspottest.


Klinische Folgen

Zentrale Nervensystem (ZNS):  Verlust kognitiver Leistungen. Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)

Magendarmtrakt: Gastritis, Ulcus, Colon irritabile

Immunsystem: gehäufte Infekte, Tumorprogression

Risikoverhalten: Genussmittel

Herzkreislauf: Hoher Blutdruck, Arteriosklerose

Stoffwechsel: Blutzuckeranstieg, Diabetes, Anstieg der Cholesterine und Triglyceride, Übergewicht

Sexualität: Nachlassen der Libido, Erektionsprobleme, Infertilität

Muskel/Skelett: Myogelosen, Fibromyalgie-Syndrom


Zahlen und Fakten

Laut WHO wird Burn-Out bis 2020 die häufigste Erkrankung sein. Jeder zweite soll betroffen sein (Kyberg, 2011).

In unserer Gesellschaft fühlen sich 83% der Beschäftigten gestresst und davon 27% sehr (Spiegel Wissen / Nr. 1-2011).

Der Schaden in der Schweiz liegt für die medizinische Betreuung und für Produktionsausfall bei 4,2 SFR – das sind 2,5 Mrd Euro und 1,2% des Bruttosozialproduktes (Laut Umfrage des schweizerischen Staatssekretariats für Wirtschaft / 2000).

Auf dem Kongress der deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde im November 2010 wurden folgende Daten publiziert:  20% aller Jugendlichen sind verhaltensauffällig. 3,7% aller Kinder zwischen 9 und 16 Jahren zeigen depressive Störungen. 50 – 60% der Klienten seien wegen Schulschwierigkeiten in Behandlung (Spiegel Wissen / Nr. 1-2011).

Zwischen 1995 und 2008 stiegen die beruflichen Fehlzeiten laut AOK wegen psychischer Erkrankungen um 80% (Focus, 2010).

Unter allen Krankheiten stiegen zuletzt die Ausgaben für psychische Störungen mit 5,3 Mrd. Euro zusätzlich am schnellsten (Focus, 2010).

 

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Fortsetzung folgt:

Die Unüberschaubarkeit der Zeit

 

Verantwortlich für den Inhalt:

Kerstin Meyer, Heilpraktikerin
Volker Hennings, CoachingSystem